Tatort-Serie

Tatort-Serie

Die Tatort-Serie ist die Verarbeitung von während der Erstellung der Feudinger Ahnentafel entdeckten und ausgearbeiteten Kriminalfällen. Wir nutzen solche spannenden Geschichten nicht, um etwas zur Schau zu stellen. Wir möchten dem Thema Ahnenforschung etwas mehr Leben einhauchen und zeigen, dass es sehr spannend sein kann, sich mit seinen Vorfahren zu beschäftigen. Gibt es auch in Deiner Geschichte spannende Vorfahren? Geschäftsleute, Erfinder, Mordopfer oder gar Mörder? Mach Dich mit uns auf Spurensuche.

In den ersten 3 Teilen dieser Serie werden tragische Todes- und Schicksalsfälle der früheren Feudinger Bewohner vorgestellt. Es sind Fälle, die teilweise oder gar vollständig bis heute nach fast 500 Jahren Dorfgeschichte wohl für immer ungelöst bleiben.

Umso spannender vielleicht, denn es lässt uns Raum für eigene Gedanken und Spekulationen darüber, was wohl genau passiert sein mag und wie und vor allem warum! Rätselt mit, welches der starken Motive den Mörder zu seiner Tat, den Selbstmörder zur Verzweiflung oder den Vermissten zur Flucht getrieben hat! War es Liebe, Hass, Habgier, Rache oder einfach nur Wahnsinn? Trifft Euch der Tatort persönlich oder ihr findet die Schilderung unangemessen? Dann teilt uns dies bitte mit! Wir wollen niemanden verletzen oder zur Schau stellen, sondern dem Stammbaum Feudingens "Leben" einhauchen und ihn spannend & miterlebbar machen.

 

Tatort I - Tod an der Fischelbacher Mühle

Unser erster Tatort ist die Ortschaft Fischelbach am 6. April 1744. Es ist Freitag. Der Gemeinsmann (das bedeutet, er war Ortsvorsteher), Gerichtsschöffe und Kirchenälteste Christian Autschbach, der 1685 das Licht der Welt als Sohn des Hermann und der Margarte geborene Wick erblickte, verstirb an diesem nebligen Frühjahrstag im Morgengrauen im Alter von nur 59 Jahren an seinen schweren Verletzungen und Qualen. Johann Christian Autschbach stammte aus Fischelbach, Hausnummer 14 bei Autschbachs und hinterlässt einen Sohn und eine Tochter. Seine Ehefrau Agnes war schon im Jahre 1733 gestorben.

Zu seinem Tod steht geschrieben:
"Den 6t. Aprilis morgens gegen 7 Uhr erlöset der Allmächtige Gott den d. 28t. Martij nachmittags auf dem Acker an der ?Schmiede von Joh. Christ Schmidt geschlagenen Joh. Christ Autschbach, Gemeinsmann, aus seinem Jammer und Noht, und wurde d. 8t. ejusdem christl. zur Erden bestattet, aetatis suae 59 ann. Text Ps. 6"

Der tatverdächtige Johann Christian Schmidt stammte aus Bernshausen. Dort war er im Jahre 1715 geboren. Er starb 6 Jahre nach seinem Opfer an Wassersucht (Wassereinlagerungen im Körper, oft als Folge einer Herzschwäche = Ödeme). Johann Christian wohnte im Haus 7 in Fischelbach bei Kaspars.

Warum nur hat der zugezogene Bernshäuser ausgerechnet den Ortsvorsteher erschlagen? Fühlte er sich ungerecht behandelt, weil er als Zugezogener benachteiligt wurde? Oder war ein privater Streit vorausgegangen? Vielleicht hatte der Erschlagene in seiner Funktion als Gerichtsschöffe aber auch nicht im Sinne des Mörders gehandelt. Leider wissen wir es heute nicht, was die Motivation hinter der Tat war. Wir wissen auch nicht, warum der Täter nicht bestraft wurde und eines natürlichen Todes starb, während in anderen Fällen harte Strafen erfolgten.

 

Tatort II - Tod beim Tanz

Unser zweiter Tatort ist in Steinbach, einem Ortsteil von Feudingen. Seit 1954 gehört Steinbach kirchlich zu Oberndorf, also zum Kirchbezirk Feudingen II. Doch zur Zeit des folgenden Kriminalfalls gab es nur die Feudinger Kirche und Steinbach wurde auch der "kahle Berg" genannt.

12. Juni 1587. Johannes Kalenberger, Sohn des Johannes und der Katharina (2. Partnerin und Ehefrau des Johannes), stirbt an den Verletzungen die ihm am 09. Juni zugetragen wurden. Ausgerechnet auf dem Tanz zum Weinkauf des Arnold Stenger erschlagen.

"+: Henchen, Johans Sohn zu Steinbach, ist den 9 jun. am Dantz uf Arnolt Stengers Weinkauff in Kopf gehawen worden undt am 12 jun. hernach gestorben. Welches Hen Daum von Bermershausen gethan."

Zum Verständnis: Beim Weinkauf geht es nicht um eine Weinverkostung mit anschließendem Wein(ein)kauf.
Der Weinkauf bezeichnet vielmehr den Übergang der Bewirtschaftungsrechte für einen Hof. Oftmals war dies auch mit einer Heirat verbunden. Nicht nur in Steinbach und nicht nur zur damaligen Zeit heiratete auch schon mal ein Mann in einen Hof ein und nahm den (Familien-)Namen des Hofs an. Ähnliche Beispiele gibt es auch aus der Neuzeit z.B. beim noch vielen bekannten ehem. Schützenkaiser Erich Sonneborn(+) der als Afflerbach geboren den Namen Sonneborn bei seiner Heirat annahm.

Wieder ist uns der Mörder bekannt. Und dieses Mal kommt er nicht ungeschoren davon. Johannes Daum aus Bermershausen wird am 09. Juli des selben Jahres in Bad Laasphe durch das Schwert hingerichtet wegen des Totschlags an oben genanntem Kalenberger. Ob man damals schon zwischen Mord und Totschlag unterschieden hat? Jedenfalls fand man sein Motiv wohl nieder genug um ihm das Recht des Weiterlebens und der Buße zu verwehren.

"+: Hengen Daum ist wegen des Todtschlags, so er an Hengen zu Steinbach begangen, zu Lasphe durchs Schwerdt hingerichtet worden am 9 Jul. itzigen Jars."
Wieder können wir nur spekulieren, was die Beweggründe waren. Hatte der Mord in irgendeiner Weise etwas mit dem Übergang des Hofs zu tun, einer Frau, oder war es einfach ein Streit zweier Gäste unter Einfluss berauschender Getränke?
Johannes Kalenberger war ledig und hatte keine Kinder. Sein Bruder Jost *1592 jedoch trug den Namen Göbel und begründete einen ganzen Familienstamm. Der Name Göbel ist bis heute weithin verbreitet, während Kalenberger in der Region nicht mehr zu finden ist. Die meisten Familienmitglieder der Familie hatte die Pest dahingerafft. Warum nun Jost den Namen wechselte ist bis heute ein Rätsel, mit dem sich die Feudinger Ahnentafel beschäftigt. Nachfahren des Jost haben das Augenmerk erst auf diesen Tatort gelenkt. Heute findet man den Namen Göbel auch in den Niederlanden als "Keevel" wieder. Einer dieser Keevels nham Kontakt mit uns auch und lieferte dutzende Seiten an Familiengeschichte. Es wurde aus Göbel, dann "Gebel" und zuletzt "Kevel/Keevel". Werden wir herausfinden, was zu dem neuen Namen führte, oder wird es im Ungewissen bleiben, wie das Motiv des Mordes am Bruder Johannes??
Wir werden berichten, falls wir die Lösung finden. Tausenden Nachfahren sind wir es schuldig.

Wieder können wir nur spekulieren, was die Beweggründe waren. Hatte der Mord in irgendeinerweise etwas mit dem Übergang des Hofs zu tun, einer Frau, oder war es einfach ein Streit zweier Gäste unter Einfluss berauschender Getränke?

 

Tatort III - Ein Wildererdrama

Ein Wildererdrama: Ein Schuss hallt durch den Wald zwischen Volkholz und Benfe. Anwohner hören Rufe und Schreie, ein Wimmern und Wehklagen. Dem Rufenden eilt jedoch niemand zur Hilfe. Aus Angst? Dann ein zweiter Schuss und Stille im Wald - Totenstille.

Erst Tage später wird das bereits von seiner Familie vermisste Opfer gefunden. Vom Ort des Geschehens weggeschleppt an einen Wegesrand. Eine Waffe liegt mehrere Meter von ihm entfernt auf dem Waldboden und neben ihm ausgezogene Schuhe.

Die Presse berichtet am 21. September 1923 über den Leichenfund vom 20. September. Am 22. September erscheint ein weiterer Artikel, ebenso am 10. Oktober 1923, am 03. November 1923 und am 05. März 1924 - die Presse berichtet fortlaufend. Doch bis zum Schluss bleibt das Geschehene rätselhaft. Nicht nur über den Namen des Opfers herrscht anfangs Verwirrung. Zunächst ist von Fritz Althaus die Rede. Später jedoch wird klar, dass es sich um den aus der Benfe stammenden und nun in Weide verheirateten Ludwig Althaus (* 1875) geht. Er war Ehemann von Karoline Bernshausen und Familienvater von 8 Kindern (ein neuntes Kind wurde erst nach seinem Tod geboren).

Neben seiner Arbeit im Steinbruch zog es den Mann immer wieder in den Wald. Man wusste, dass er dann und wann mit weiteren Männern wilderte. Ob es nun zu einem Jagdunfall gekommen war und man in Panik den angeschossenen dann gänzlich beseitigen wollte? Ein Selbstmord jedenfalls wird ausgeschlossen. Dazu lag die Waffe zu weit entfernt. Ein Schuss jedenfalls hatte das Opfer im Becken getroffen. Ein weiterer Schuss wurde aus nächster Nähe in den Rücken abgegeben. Schmauchspuren auf der Kleidung beweisen dies. Auf dem Dachboden der Wildererkollegen wurden Waffen gefunden.

In der heutigen Zeit würde es vermutlich einen Vergleich zwischen den Kugeln und Gewehren geben oder gar DNA Abgleich und Fingerabdrücke. Vielleicht war auch das wirkliche Interesse an einer Aufklärung nicht gegeben? Zumindest bleibt der Fall bis heute ungeklärt.

Dieter Bald hat die Zeitungsartikel gesammelt und auch Zeitzeugen befragt. Das war im Jahr 1994. Zu dem Zeitpunkt waren auch die Befragten teilweise schon an die 90 Jahre alt. Der Vorfall ist nun bald 100 Jahre her. Opfer wie Täter sind längst nicht mehr. Ob die sichergestellten Waffen noch untersuchbar sind? Ob die Kugeln aus dem Leichnam noch vorhanden sind? Wird irgendwann der Fall nochmal aufgerollt oder bleibt im dunklen Wald, was dort geschehen ist? Oder ist längst alles klar wie der letzte Zeitungsartikel glauben machen will?